Die unzähligen Gedenkveranstaltungen im November 2009 haben die Kuratoren Hansgert Lambers und Axel Sommer bewogen,
die durch das historische Ereignis »Mauerfall« ausgelösten Wandlungen in Deutschland näher in Augenschein zu nehmen.
In den Räumen der Galerie Forum Amalienpark zeigen fünf ausgewählte Fotografen aus Berlin ihre Arbeiten zu diesem Thema.
Die Bildessays dokumentieren auf prägnante Weise die »Deutschen Wandlungen«, die Folgelandschaften und Umbrüche
vor allem im Osten Deutschlands.

Lorenz Kienzle begleitet Arbeiter einer untergehenden, nicht mehr benötigten Industrie. In einer traditionsreichen
Gubener Hutmacher-Fabrik notiert er Arbeitsabläufe, stellt die nun antiquierten Maschinen in ihrer letzten Nutzung dar
und zeigt die Vertrautheit der Frauen und Männer mit ihnen. Jede untergehende Industrie, die doch bis dahin Lohn und Brot
gegeben hat, hinterlässt Trauer und Arbeitslose. Die ruhigen Bilder von Lorenz Kienzle sind ein Memento.

Thomas Kläber fotografiert bereits seit 1967 Menschen in ländlichen Gebieten im Osten Deutschlands. Er kennt ihre Arbeit
auf dem Acker und ihre Feste in der Scheune. Für die Porträts treten sie alle vor einen neutralen Hintergrund. Nur Kleidung
und Haltung lassen hier auf ihren sozialen Stand schließen. Ganz besonders haben Thomas Kläber Paare beschäftigt:
Mann und Frau, Vater und Sohn, Geschwister. Durchaus der Situation bewusst, vom Fotografen aber offensichtlich nicht
bedrängt, zeigen sie feine Gesten, Unbehagen, aber auch Stolz, vielleicht sogar Glück.

Dietrich Oltmanns wendet sich einer eklatanten Veränderung zu: dem Verschwinden der sowjetischen Soldaten aus Deutschland.
Dietrich Oltmanns betrachtet nebensächliche Dinge und teilweise kaum mehr deutbare Narben. Eigenwillige Metallarbeiten und
ungewöhnliche Farbgebungen werden plötzlich zu Metaphern für eine entschwundene Kultur.

Burkhard Peter erfuhr erst spät von den Lebensumständen seines Großvaters. Er wurde von den Nazis ins KZ gesteckt, da er
nicht wie verlangt, fleißig war. Auf einer persönlichen Spurensuche sah er neben den bekannten großen KZs viele kleinere
Arbeitslager. Immer wo Burkhard Peters Wege sich mit den damaligen Stationen seines Großvaters kreuzten, fotografierte
er diese Orte, Gedenkstätten oder auch nur eine Wiese. Den früher zumeist offiziell geprägten Behandlungen des Themas
stehen heute persönliche Sichten auf diese Tatorte gegenüber.

Peter Thieme ließ sich hingegen von ehemaligen Industriegebieten beeindrucken: Brachen, die nach der Zerstörung riesiger
Landflächen durch Ausbeutung der Bodenschätze zurück blieben. Braunkohleabbau-Folgelandschaften. In der Gegend südlich
von Leipzig sind Felder, Kirchen und ganze Dörfer unwiederbringbar verschwunden. Zurück blieb eine abweisende, karge
Landschaft. Durch Fluten der Gruben entstanden Seen, die den Menschen aus der nahe liegenden Großstadt unverhoffte
Erholungsfreuden bieten. Man arrangiert sich und setzt die Segel auf der Jolle.