Lothar Böhme

Rede zur Eröffnung der Ausstellung „Brigitte Handschick - Malerei“
am 20. Februar 2009


Betrachte ich die Fotos der Zusammenkünfte in der legendären Galerie Mitte, so stelle ich nicht ohne Betroffenheit fest, dass wichtige Berliner Malerinnen und Maler nicht mehr leben.

Ich denke dabei an Ingrid Goltzsche, Manfred Böttcher, Christa Böhme und Brigitte Handschick.

Ich erinnere mich auch an die gemeinsamen Studienjahre mit Brigitte Handschick und auch daran, wie unser verehrter Lehrer Weißbrich ganz berührt eine Arbeit von Brigitte betrachtet hat und erfreut war über die unbefangene, empfindsame Darstellung der Gegenstände und ihr naturgegebenes Farbgefühl.

Das Zusammenleben mit meinem Freund Heinz Handschick ermöglichte es, die ihr gemäß erscheinende Lebensform zu verwirklichen, in der sie in Ruhe und bedacht malen konnte. Ich denke nicht ohne Wehmut an die vielen Abende in seinem schönen Haus in Glienicke. Da waren die Freunde versammelt – geistiger Austausch und natürlich Musik hören bis in den frühen Morgen hinein. Alles unter ihren Bildern, die ich so nebenbei, aber aufmerksam betrachtete.

Da hing zum Beispiel die Landschaft mit dem Schornstein, die später die Nationalgalerie erworben hat.

Was ist das Besondere an ihren Bildern?
Ihre Fähigkeit, die sie umgebenden Gegenstände gleichsam zum Leuchten zu bringen und eine gänzlich unakademische Herangehensweise – aufrichtig und naiv in der Formung, ganz im Sinne von Pierre Bonnard.

Wer Brigitte nicht näher kannte, war oft befremdet von ihrem etwas sperrigen Wesen. Auf Gespräche über Malerei hat sie sich nicht gern eingelassen, was sie übrigens mit Christa Böhme gemeinsam hatte. Theoretisieren über Kunst empfanden beide als eine eher männliche Eigenschaft, was sie kritisch aber mit Wohlwollen betrachteten. Für das so genannte „Durchsetzen“ war diese Eigenheit nicht besonders geeignet. Sie vertrauten darauf, dass es genügend Menschen gibt, die sich noch die Reinheit des Schauens bewahrt haben und die aus der Beobachtung der Natur entstandenen Bilder zu würdigen wissen.
Brigitte Handschicks schöner Katalog, der nach ihrem Tod von der Ernst-Schroeder-Gesellschaft dankenswerterweise herausgegeben wurde, möchte ich allen jungen Malern empfehlen. Die Abbildungen sind ein Hinweis darauf, dass man seinen eigenen Empfindungen vertrauen sollte.

Dann kam die Nachricht ganz plötzlich von ihrer schweren Krankheit, die ich zuerst gar nicht glauben wollte, aber die bald zur Gewissheit wurde.
Ein viel zu früh beendetes Malerleben.
Es bleiben die Erinnerung und die Bilder, von denen einige in dieser Ausstellung zu sehen sind.
Darüber können wir uns freuen.

© Lothar Böhme